WTD 71

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WTD 71

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Maximale Tiefe

12 m

Durchschnittliche Sichtweite
Koordinaten 54.454222,9.854824
WTD71 Einstieg.JPG
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Beim Tauchplatz WTD 71 kann man das Trümmerfeld der nach dem zweiten Weltkrieg gesprengten Torpedoversuchsanlage bestaunen. Die Torpedoversuchsanlage bildete das Gegenstück zu der Anlage in Surendorf. Das Trümmerfeld ist allerdings deutlich kleiner und weniger stark bewachsen. Zudem ist das Tauchen hier offiziell nicht erlaubt, da der Tauchplatz sich innerhalb eines Sperrgebietes befindet. Gerüchten zufolge soll nach dem Auftauchen auch schon die Polizei auf den ein oder anderen Taucher gewartet haben.

Anfahrt

Von Kiel aus folgt man der B76 nordwärts in Richtung Eckernförde. Kurz vor Eckernförde gibt es einen großen Parkplatz direkt am Südstrand. Diesen fährt man bis zum Ende durch um einen möglichst kurzen Weg zum Einstieg zu haben.


Einstieg

Der Einstieg liegt direkt am Strand, auf Höhe des Grenzzaunes des Bundeswehrgeländes. Das Trümmerfeld ist durch Untiefentonnen gut gekennzeichnet.


Sicherheitshinweise

Da das Trümmerfeld innerhalb eines Sperrgebietes liegt, ist das Tauchen hier offiziell verboten. Falls im Sperrgebiet Mannöver abgehalten oder Versuche durchgeführt werden, wird der Betrieb durch entsprechende Beflaggung auf dem Gelände angezeigt. Tauchen kann in diesem Fall lebensgefährlich sein und ist strengstens untersagt.


Hintergrund

Die Trümmer in Eckernförde (WTD 71) und Surendorf gehören zu Torpedoversuchsanlagen, die nach Ende des zweiten Weltkrieges gespregt wurden. Es folgt ein kurzer historischer Abriss über die Anlagen, welche während des zweiten Weltkrieges beide der Torpedoversuchsanstalt (TVA) angehörten.

Beginn der Torpedoentwicklung im Deutschen Reich [1][2][3][4][5][6]

TVA Süd (Eckernförde) 1928.
TVA Süd (Eckernförde) während des zweiten Weltkrieges (1937).
TVA Ost (Surendorf) während des zweiten Weltkrieges.

Nach Entwicklung des ersten propellergetriebenen Torpedos vom britischen Ingenieur Robert Whitehead 1866 gewann diese neuartige Unterwasserwaffe schnell an Bedeutung. So wurde im Deutschen Reich noch im gleichen Jahr ein Artillerie-Depot für die Entwicklung von Über- und Unterwasserwaffen in Friedrichsort erreichtet. Im Jahre 1886, also etwa 20 Jahre später, wurde mit der Inspektion des Torpedowesens ein eigenes Kommando für die Torpedowaffe gebildet. Dazu gehörten das Artilleriedepot Friedrichsort (Entwicklung, Bau und Technische Erprobung von Torpedos), Torpedoversuchs- und Schulungsschiffe, sowie die Torpedoabteilungen in Kiel und Wilhelmshaven, die für die Ausbildung zuständig waren. 1891 wurde das Depot in Friedrichsort in Kaiserliche Torpedowerkstatt umbenant. Aufgrund des Wettrüstens mit England kam es gleichzeitig zu einem starken Anstieg der dort durchgeführten Arbeiten. Wurden 1898 noch 1200 Mitarbeiter in Friedrichsort beschäftigt, so waren es 1913 bereits 2100. Die für die Torpedoerprobung zunächst verwendeten Schießstände in Friedrichsort, Höruphaff und Strande waren schnell nicht mehr ausreichend. Zum einen wurde in der Kieler Förde die stark zunehmende Schifffahrt durch die bisherigen Schussbahnen zunehmend gefährdet, zum anderen wurden durch neue Torpedoentwicklung zunemend längere Schussbahnen benötigt. Als Standort für einen neuen Schießstand wurde daher Eckernförde angepeilt. In der Eckernförder Bucht gab es bis dato wenig Schiffsverkehr; die Bucht bot sich zudem aufgrund ihrer Länge, Tiefe und ihrer geschützter Lage an. Zudem war die Stadt Eckernförde per Schiene bereits gut an Kiel angeschlossen.

Von der Entstehung des Torpedoschießstandes Eckernförde bis zum Ersten Weltkrieg [1][2][3][6][7]

  • 1911 - 1913: Bau des Torpedoschießstandes in Eckernförde (zunächst aus Holz).
  • 05.06.1913: Inbetriebnahme des Torpedoschießstandes Eckernförde.
  • 1914 - 1915: Erheblicher Ausbau des Torpedoschießstandes im Zuge des Ersten Weltkrieges. Dazu gehörte z.B. die Errichtung eines Krafthauses mit Dampfmaschinen, durch welche unter anderem Elektromotoren betrieben werden konnten.

Zeitraum bis zum Ende des zweiten Weltkrieges [2][3][6][8][7]

  • 1918: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden die Arbeiten in der Torpedowerkstatt und dem Torpedoschießstand Eckernförde zunächst eingestellt.
  • 1919: Umbenennung des Torpedoschießstandes Eckernförde zur Torpedoversuchsanstalt Eckernförde (TVA). Die TVA operierte nun unabhängig von der Kaiserlichen Torpedowerkstatt Friedrichsort, welche komplett geschlossen wurde.
  • 1919: Bereits ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkrieges wurden kleinere Arbeiten wieder aufgenommen, obwohl militärische Forschung nach dem Versailler Vertrag eigentlich verboten war. Daher wurde die Torpedoentwicklung zunächst für ausländische Kunden durchgeführt (1920 - 1921 für Schweden, ab 1923 für Spanien). Die Zusammenarbeit hielt allerdings nicht lange an.
  • ab 1929: Durchführung eigener Forschung ungeachtet des Versailler Vertrages.
  • 1933: Machtergreifung der Nationalsozialisten und Intensivierung der Arbeiten an der TVA.
  • 1935: Austausch des alten Schießstandes der TVA Eckernförde aus Holz durch einen neuen aus Beton. Die TVA Eckernförde wird außerdem in TVA Süd umbenannt, da ein weiterer Schießstand an der Nordseite der Eckernförder Bucht errichtet wird (TVA Nord).
  • 1937 - 1939: Errichtung eines weiteren Schießstandes in Surendorf (TVA Ost).
  • ab 1939: Im Zuge des zweiten Weltkrieges kommt es zu einem erheblichen Anstieg der Arbeiten und Mitarbeiter an den TVAs. Während 1939 noch 3200 Mitarbeiter beschäftigt waren, waren es 1940 schon 6400. Zum Ende des Krieges 1945 arbeiteten sogar bis zu 24000 Personen an den TVAs. Nach wie vor wurden hauptsächlich die Entwicklung und Erprobung von Torpedos betrieben. Zusätzlich wurden aber auch kleine Uboote und Sprengboote entwickelt.
  • Während des 2ten Weltkrieges wurde die TVA Eckernförde nie Ziel eines Bombenangriffes. Der genaue Grund ist nicht bekannt - laut Aussage des damals höchsten Offiziers der Britischen Marine, war die TVA wegen Ihrer Lage und Luftabwehrverteidigung praktisch unzerstörbar durch Luftangriffe. So wäre diese für hochfliegende Bomber schwer zu treffen gewesen, tieffligendere Bomber wären dagegen der vorhandenen Flakabwehr ausgesetzt gewesen. Zudem waren die Anlagen unterbunkert und stark gepanzert. Die genaue Lage und Funktion der TVAs war den Alliierten zumindest bekannt; unter Umständen gab es aber einfach wichtigere Angriffsziele wie z.B. Werften. [9]

Nachkriegszeit [3]

  • Nach 1945: Die Briten übernehmen die vollständige Kontrolle über die TVAs und versuchten zunächst vorhandenes Wissen zu transferieren. Der Betrieb kam dabei zunächst fast vollständig zum Erliegen, wurde später aber auf Friedensproduktion (z.B. Bratpfannen für Flüchtlinge) umgestellt. Laut Zeitzeugenberichten[10] wurde möglichst viel gedultet um die Situation der Leute zu verbessern. Eckernförde litt zu dieser Zeit unter einem erheblichen Flüchtlingsansturm, hoher Arbeitslosigkeit und Wohnraumknappheit. [9]
  • 1945-1948: In diesem Zeitraum fanden beträchtliche Diskussionen über die Zerstörung der TVAs statt. Unstrittig war, dass die TVAs gemäß der Potzdamer Konferenz als Deutsches Kriegspotential der Kategorie 1 möglichst schnell zerstört werden sollten. Von den Anlagen ging nach wie vor eine starke Gefahr bei Wiederaufrüstung aus. Aufgrund der Wohnraumknappheit gab es aber sowohl in der Bevölkerung, als auch im damaligen Landtag erheblichen Widerstand gegen die Sprengung. Im Endefekt wurden aus humanitären Erwägungen letzendlich einige wenige Häuser erhalten, die weiter als Wohnraum dienen konnten. [9] Strittig ist dagegen, ob auch die erhöhten Spannungen mit der UDSSR die Sprengung begünstigt haben. Einige Authoren [3][2] argumentieren, dass man die TVA bei einer möglich Annektion Schleswig-Holsteins nicht der UDSSR in die Hände fallen lassen wollte.
  • 1948-1950: Zerstörung der TVAs.
  • 1950er Jahre: Nutzung des Geländes der TVA-Eckernförde vorwiegend durch kleinere Firmen.
  • 1957: Bundeswehr übernimmt im Zuge der Wiederbewaffnung erneut das Gelände und beginnt mit dem Neuaufbau.
  • 1962: Aufbau eines neuen Schießstandes an der TVA-Eckernförde.
  • 1965: Aufbau eines neuen Seesteges in Schwedeneck/Surendorf.
  • 1972: Aufbau der Hubinsel "Barbara" In Schwedeneck/Surendorf.
  • 1963: Umbenennung der TVA zunächst in Erprobungstelle 71 und später (1987) in Wehrtechnische Dienststelle 71 (WTD 71).
  • 1969: Die WTD 71 beschäftigt bereits wieder 950 Mitarbeiter an 10 Liegenschaften.

Heute [11]

  • Von der WTD 71 werden heute etwa 610 Mitarbeiter an acht Liegenschaften beschäftigt. Neben dem Hauptstandort in Eckernförde gehören dazu: Borgstedt, Kiel-Ellerbeck, Kiel-Friedrichsort, Plön, Aschau, Schwedeneck und Elpersbüttel.
  • Der Aufgabenbereich ist dabei weit gefächert. Zu den Hauptaufgaben gehören:
    • Die magnetische Vermessung und Behandlung von Schiffen und Komponenten.
    • Die Vermessung der akustischen Abstrahlung von Schiffen und Booten in Tief- und Flachwasser.
    • Messungen an Torpedos mithilfe von Unter- und Überwasserbahnvermessungssystemen, Unterwassertestanlagen und Torpedoschießständen.
    • Schock-, Vibrations-, Klima-, Korrosionsschutz-, Flamm- und schiffstechnische Prüfungen.

Tauchplatzkarte

Die verwendeten NCAP Luftbilder sind unter der RCAHMS-NCAP Lizenz freigegeben.
Source Page: http://ncap.org.uk/NCAP-000-000-016-048

Fotos

Die verwendeten NCAP Luftbilder sind unter der RCAHMS-NCAP Lizenz freigegeben.
Source Page: http://ncap.org.uk/NCAP-000-000-016-048

Links

https://www.shz.de/lokales/eckernfoerder-zeitung/100-jahre-torpedos-in-der-bucht-id3278096.html


Einzelnachweise

  1. 1.0 1.1 Oliver Krauß: Rüstung und Rüstungserprobung in der deutschen Marinegeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Torpedoversuchsanstalt (TVA). Dissertation CAU Kiel 2006. http://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dissertation_derivate_00001805/d1805.pdf
  2. 2.0 2.1 2.2 2.3 Wolfgang Nolle: 40 Jahre Torpedo-Versuchsanstalt Eckernförde (TVA), Heimatgemeinschaft Eckernförde Jahrbuch 1988.
  3. 3.0 3.1 3.2 3.3 3.4 Markus Witt: Eckernförde - Geschichte einer Hafen- und Marinestadt. ISBN-10: 3934613969, 136 Seiten, Verlag: CONVENT Hamburg; Auflage: 1., Aufl. (Mai 2006)
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Marineinspektion
  5. https://deutschewerkekiel.jimdo.com/deutsche-werke-kiel/kaiserliche-werft-kiel/
  6. 6.0 6.1 6.2 http://spurensuchesh.de/torpedoversuchsanlage/
  7. 7.0 7.1 https://www.shz.de/lokales/eckernfoerder-zeitung/100-jahre-torpedos-in-der-bucht-id3278096.html
  8. http://historisches-marinearchiv.de/projekte/kleinkampfmittel/beschreibung.php
  9. 9.0 9.1 9.2 Ilse Rathjen-Couscherung: Torpedoversuchsanstalt Eckernförde – sprengen oder nicht sprengen?, Heimatgemeinschaft Eckernförde Jahrbuch 2007.
  10. Ilse Rathjen-Couscherung: Eckernförde unter britischer Besatzung. Eine schleswig-holsteinische Stadt 1945-1955. ISBN 978-3-00-025744-5 · ISSN 1616-1971, 260 Seiten, DIN A 5, zahlreiche historische Fotos und Dokumente. 3. Auflage 2017. Beziehbar über die Heimatgemeinschaft Eckernförde e.V.
  11. http://www.baainbw.de/portal/a/baain/start/diensts/wtd71

Authoren: Admin
Ersteller: Admin
Letzte Änderung: 19 August 2018 11:58:14